Jubiläum 2018 – 20 Jahre amitola

20 Jahre Einsatz für unsere Kinder.

20 Jahre Höhen und Tiefen im Alltag unserer Kinder.

20 Jahre pädagogische Unterstützung für unsere Kinder.

20 Jahre, in welchen aus der einstigen Grossfamilie Misteli das professionell geführte Kinderheim amitola entstand und dieses Jahr ein weiteres Jubiläum feiern kann.

Damals vor 20 Jahren – Sonja Staub, FABE Behinderte seit Beginn erinnert sich noch genau – da betreuten wir eine Handvoll Kinder in einem Umfeld, das sich von einer kinderreichen Schweizer Familie nicht unterschied. Zum Einkaufen haben wir die Kinder mitgenommen und das Kochen – wie auch die Reinigung und das Waschen der Kleider – übernahm die pädagogische Mitarbeitende aus der Tagesbetreuung. Heute ist das undenkbar geworden.

Für unseren 18 Kinder und 25 Mitarbeitenden benötigen wir wöchentlich 2 prall gefüllte Einkaufs-wagen mit allem, was es für das Leben braucht. Eine engagierte und hervorragende Köchin sorgt sich um das leibliche Wohl von Allen. Das ist tägliche eine neue Herausforderung für unsere 2 grossen Mittagstische an der Dorfstrasse und unsere Aussenwohngruppe am Chilewäg.

Überhaupt haben sich die Mahlzeiten in den letzten 20 Jahren stark verändert. So mahlen wir heute das Korn und backen das Brot in Eigenregie. Täglich frisches Birchermüesli gehört ebenso dazu, wie neue, aktuelle und saisonale Menükreationen. Verschiedenes Gemüse und Obst kaufen wir auf den umliegenden Hofläden von Bauernbetrieben und das Fleisch aus der dorfansässigen Metzgerei. Auch auf die ethnische Herkunft unserer Kinder nehmen wir Rücksicht und so entsteht wöchentlich ein abwechslungsreicher Menüplan zwischen Fleischküche und vegetarischen Mahlzeiten.

2 Pferde, 3 Esel, 3 Ziegen, Hunde, etliche Katzen und Hühner, Kaninchen und zeitweilig sogar ein Hängebauchschwein, das war vor 10 Jahren der Tierbestand in unserer Institution. Die Pflege beanspruchte damals sehr viel Zeit, denn aus therapeutischen Gründen haben wir die Kinder in die täglichen Prozesse des Fütterns, Ausmistens, Reinigung der Unterstände und der Pflege der Tiere selbst, miteingebunden.

Die Arbeit mit den Tieren stellte uns aber vor immer grössere Herausforderungen und der zeitliche Aufwand stieg von Jahr zu Jahr. Um uns voll und ganz auf die Betreuung unserer Kinder konzentrieren zu können,  wurde vor 8 Jahren der Beschluss gefasst, den Bestand zu reduzieren und die Tiere nach und nach an ausgewählte Plätze zu verkaufen oder zu verschenken. Ariane Ajeto, FABE Kind seit 2009: «Rückblickend muss ich schmunzeln, wenn ich an die Zeit mit den Tieren zurückdenke. Insbesondere an die beiden störrischen Esel, die ihrem Namen alle Ehre gemacht haben».

War es früher eher eine Jugendgruppe mit einem Durchschnittsalter von 12 Jahren, so hat sich das Alter der Kinder in den vergangenen Jahren nach unten – bis hin zur Betreuung von Säuglingen – verlagert, was ganz andere Aufgaben mit sich brachte. So wurde aus der anfänglichen Töffli-Werkstatt für Teenager eine Garage mit Dreiräder, Trotti‘s und Velos, aus einer Fernseh-Ecke eine geräumige Spielwiese und aus einem Jugend-Chillraum ist ein heimeliger „Spielgruppenraum“ entstanden. Dieser wird heute auch für Sitzungen genutzt, denn wo wir anfänglich an einem runden Tisch diskutieren konnten, braucht es heute 18 Stühle, eine exakt geführte Traktandenliste, geschriebene Protokolle und das exakte Arbeiten nach den Richtlinien des betriebseigenen QM‘s (Qualitätsmanagement).

Maya Weibel, Betreuerin seit 1940: „Aus einer Grossfamilie mit viel spontaner Freiheit ist heute ein kleines KMU entstanden, welches ohne feste Abläufe gar nicht mehr existieren könnte“. Die Administration – anfänglich eher in kleinem Rahmen gehalten – wird heute durch eine Mitarbeiterin in Vollzeitbeschäftigung bewältigt. Wo sich früher Regale mit Ordner füllten stehen heute unzählige Computer, Laptops und Tablets, welche die täglichen Abläufe vereinfachen.

Die Heimleitung wurde mit 3 ausgewiesenen Gesellschaftern aus Neuendorf und Riken ergänzt, welche die organisatorischen Strukturen unterstützen. Und letztendlich – und um das Betreuungspersonal zu entlasten – kamen die Abteilung Hauswirtschaft mit heute 4 Mitarbeitenden und die Bewirtschaftung Haus und Hof mit 2 Mitarbeitern dazu.

Die Nachfrage nach Betreuungsplätzen für Kinder wuchs stetig und nach und nach wurde unsere Institution grösser und beanspruchte mehr Platz. Aus diesem Grunde wurde 2012 das Haus renoviert und ein Stockwerk angebaut. In derselben Zeit fand ein regelrechter Therapieboom statt, der auch an unseren Kindern nicht vorbeizog. Das wiederum erforderte vermehrt Kindertransporte in die umliegenden Gemeinden und Städte und zog mit sich, dass neue Mitarbeitende eingestellt werden mussten. Um dieses Handling auch heute logistisch und professionell abzuwickeln und um den verschiedenen Altersgruppen gerecht zu werden, haben wir gezielt Betreuungs-Segmente gebildet: Für Kinder bis 7 Jahre die Gruppe „shania“ und für Kinder ab 8 Jahren „liwanu“. Dazu wurde „apuni“, ins Leben gerufen, unsere Aussenwohngruppe mitten im Dorf. Jede Gruppe hat eine erfahrene Teamleiterin und jedes Kinde eine Bezugsperson aus dem Kreis der Mitarbeitenden. Im Zuge dieser Neuorientierung erfolgte eine gemeinsam entschiedene Namensänderung von „Pädagogische Grossfamilie Misteli“ zum heutigen amitola.

Die Arbeit mit den Eltern, Verwandten oder einem Elternteil war uns schon immer sehr wichtig. Was sich in der Anfangszeit auf das Abholen und Zurückbringen der Kinder beschränkte, gewann mit den Jahren massiv an Bedeutung. Da die Elternbesuche oft sehr eng begleitet werden müssen, nimmt die sogenannte Angehörigenarbeit und der stetige Austausch mit Beiständen und Behörden heute viel mehr Zeit in Anspruch, erfordert grosse Energie seitens der Mitarbeitenden und macht einen Grossteil unserer Arbeit aus. Um die Integration der Kinder zu fördern und den Eltern den Zugang zu ihnen zu erleichtern, arbeiten wir heute mit dem pädagogischen, videounterstützen Programm Marte Meo. Dieses Coaching-Instrument erlaubt es uns, den Kindern und Eltern Reaktionen, Verhaltensweisen und Veränderungen anhand von Filmsequenzen aufzuzeigen und geeignete oder nötige Handlungsweisen zu erarbeiten.

Am Anfang, da genügte ein 7-plätziger Van für die tägliche Abwicklung. Heute stehen uns ein PW, ein Anhänger und zwei geräumige Personentransporter zur Verfügung, um einerseits die Therapie- und Schulfahrten zu gewährleisten und anderseits die täglichen Arbeiten rund ums Haus zu erledigen. Nicht zuletzt ermöglichen wir damit unseren Kindern ein Freizeitangebot auch ausserhalb der Institution. Das reicht vom wöchentlichen Clubsport, dem Schwimmbad- oder Kinobesuch, einem Ausflug mit Wanderung oder der Besichtigung einer Sehenswürdigkeit, bis hin zu den jährlichen Ski- und Sommerlagern, welche wir dank grosszügiger Unterstützung von vielen Sponsoren durchführen können.

In den letzten 20 Jahren ist wahrlich viel passiert. Ein stetiger Wechsel von Kindern und Mitarbeitenden, ein immerwährendes Anpassen an modernere Strukturen und Medien und nicht zuletzt das Einbringen neuer pädagogischer Erkenntnisse in den Alltag.

Aber eines ist seit 20 Jahren gleichgeblieben. Unser täglicher Einsatz für sozial benachteiligte Kinder und unser Wille, ihnen einen familiären Halt zu geben.

Im Namen aller Mitarbeitenden von amitola. Juli 2018

 

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